Dallas
Die Oma hat immer Dallas g’schaut. Und ich durft aufbleiben und mitschauen. Dass ich nix verstanden hab’ war vollkommen wurscht, denn: ich durft aufbleiben! Grosseltern eben, da geht was.
Die Oma hat Dallas aus einem Grund g’schaut: J.R. Ewing. Das war ein Mann nach ihrem Geschmack. “So Monna wie den Heesters hab I nie mögn”. Heesters war der galante Charmeur mit Frack und Zylinder, Graf “da geh ich ins Maxim, grüsse alle Damen” Danilo.
Jedenfalls war Oma ganz aus dem Häuschen wenn sie J.R. gerochen hat. Sogar in der Ring-Schuh Werbung mit dem Texashuttypen hat sie J.R. gesehen.
Natürlich war Dallas nach Bobby’s Tod nicht mehr dasselbe. Bobby hat ihr schon gefehlt. Aber sei’s drum. J.R. war ja noch da.
Als Enkel war ich natürlich voll auf ihrer Seite, J.R. forever. Auch weil in der Praxis nie Härte verlangt wurde, während fürs Abhärten der jungen Buam eher die Sinhá-Moca Oma eingetreten ist, wurd ich bei der Dallas-Oma immer verhätschelt.
Dazu kam noch der Opa mit der Theorie dass, wenn man am Abend einen Apfel isst dann nicht Zähneputzen müsste. Nach meiner öffentlich kundgetanen Begeisterung gab er diese innovative Ansicht jedoch nie wieder zum Besten. Sobald es dunkel und zum Zähneputzen wurde, hatte der Opa dann immer draussen zu tun. Klarerweise gab es Dinge, für welche wir Männer eben das Dunkel abzuwarten hatten. Das war jedenfalls meine Konklusio, wie gesagt, so spät war ich ja noch nie aufgewesen.
Vor Dallas kam jedenfalls weiterhin nur Pasta in die Tube, die Oma hielt bei Alibertlicht die Wache, ich war ja doch noch zu jung. Weil ich aber eh wusste was läuft, war dann unter Tags ein Mann von Welt und von meinem Terminkalender viel zu beschäftigt, um dem genauer nachgehen zu wollen. Ich hatte Unmengen an Zeitschriften mit Worträtsel unterm Sonnenschirm zu lösen.
Weil ich bei der Oma immer mit Orangensaft unterm Schirm nicht Fussballspielen musste, kam mir dann später die Bekanntschaft mit der Feminismusbewegung ganz sinnvoll vor. Ich hatte zumindest nichts gegen so Age of Aquarius Ideen meiner Zeitgenossinnen.
Der Tenor der Meerjungfrauen war dass die Egotypen was für die Oma Generation gewesen wären und vielleicht für sonstige heutige Dumpfbacken. In Anbetracht meiner Erfahrungen war ich entsprechend positiv disponiert.
Bis Trump gewählt wurde, zum zweiten Mal und von 45% der Damenwelt. Ich muss eine Abhandlung verfassen, Titel: “Von der Disposition beim Aroma von J.R. Ewing aus dem Häuschen zu geraten”.
Wobei: Dallas war nach Bobby’s Tod nicht mehr dasselbe. Hier gilt es nochmal einzuhaken. Ohne die Rückkehr von Bobby am Ende vom Quotenflop Staffel 9 wär das nie bis Staffel 14 gegangen. Soll heissen: wenn Bobby nicht wär, funktionierte J.R. gar nicht.
Hat mich die Omi deswegen verhätschelt? Wollte sie einen Bobby machen damit die J.R.’s dieser Welt funktionieren können?
Wär Bobby doch in der Versenkung geblieben! Ein Drittel Dallas weniger! Aber auch er (bzw. sein Schauspieler) wollen halt nicht auf Fans verzichten. Und andere fand er nicht, der Versuch war ja wohl da.
Und trotzdem: wir Bobbies dieser Welt haben ab jetzt die Pflicht zu wissen wo die Tür ist. Aus dem Häuschen geraten von Stund’ an die Bobbies. Selbstverdünnisierung statt Aromaverdünnung. Die Fans werden nicht mitziehen, finden sich wenn dann ganz von allein.