Denis Scheck
Denis Scheck, er schaut aus wie der vollglatzige Zwerg Bumsti, ist der heutige Reich Ranicki. Das war der weiland lispelnde Literaturkritikpapst. Beiden gemeinsam: Erfolg trotz alten Aussehens, weil im Genre Literatur tätig.
Scheck, er kritisiert hauptsächlich Bestseller, hat also das Einkörperproblem mit Hilfe des Literaturbetriebs überwunden. Ich dreh in der Früh schon lang kein Badezimmerlicht mehr auf, die Morgendämmerung druchs Fenster muss reichen.
Nun beschreibt Literatur unter allem Anderen auch die Gedanken und Ängste von Menschen, die eben grad wegen ihres Aussehens gegen Wände laufen. Und nicht weil sie kein Licht aufdrehen.
Jüngst wird Scheck vorgeworfen, dieser Art Literatur ein pauschales “Wen interessiert’s?” entgegenzuwerfen, nämlich in diesem Standard Artikel.
Der Kern des Problems: im Ensemble dieser körperbetonten Literatur gibt es mehr Autorinnen. Scheck steht also im Verdacht des Sexismus.
Ich möchte hier verweisen auf ein Standard-Interview mit einer verkaufsstarken “Dark Romance” Autorin.
In diesem Interview folgt auf die Frage: “Würde das ein Mann schreiben, wäre es eine lächerliche Männerfantasie?” die Antwort: “Genau! Das geht gar nicht, gesellschaftlich gesehen. Das ist unser Genre, Frauen schreiben für Frauen, da haben Männer per se einmal so gar nichts zu suchen.”
Mit dem Mittel der Körperbetonung können Frauen lächerliche Bücher verkaufen, Bestseller aus Wahrhaftigkeit, die aber ein Mann nie verkaufen könnte weil durch das y-Chromosom gerade diese Wahrhaftigkeit verloren ginge.
Ich denke: die Gedanken der Menschen sind fast immer lächerlich. Denke ich. Und die einfache Darstellung von lächerlich echten Gedanken ist für einen guten Kritiker nicht ausreichend.
Ich kann mich noch erinnern wie Frank Hoffmann im Filmmagazin “Trailer” den Blockbuster-Arnie als Colonel John Matrix komplett verrissen hat. Die einfache Darstellung von lächerlich echten Muskeln war für den guten Kritiker nicht ausreichend. John Matrix ist wahrhaftig geil.
Ich hab mir letztens wieder den Connery-Bond “Diamantenfieber” ang’schaut, allgemein anerkannt als einer der schlechtesten der Serie. Ein Ford Mustang der auf zwei Rädern der rechten Seite zu fahren kommt, dann aber auf die selben zwei Räder zurückfällt. Tote im Pool, einfach mal so. Blofeld billig gespielt vom ehemaligen Agenten. Kein Budget mehr für einen guten grossen Krach am Ende (Connery nochmal zu motivieren war teuer genug).
Aber Hey: Bambi und Klopfer! Mr. Wint und Mr. Kidd! Szenen für die Ewigkeit, für Kritikerpapst Roger Ebert “großartig in den Dingen, für die man sich einen James-Bond-Film ansieht.” Und ausserdem sind die letzten zwanzig Minuten eines jeden Bond Mist.
Ich muss mir Sontags “Notes on Camp” wieder mal vornehmen.