Aller Couleur
Freunde, ich war heut auf zwei queeren Veranstaltungen. Die eine hatte Frauen im Männerkostüm, bei der anderen war’s umgekehrt.
Die Frohnleichnamsprozession ging vom Stephansdom nach St. Michael und Peterskirche. Weiter weiss ich nicht. Aber dort waren die Frauen.
Der Österreichischen Cartellverband (ÖCV) umfasst 40 Verbindungen, nimmt aber keine gemischten auf. Deren Auflistung kennt derer drei in Wien. Bei der Prozession war’s glaub ich (nicht ganz sicher) der KÖHV, sie existieren als “Freie Kurie” innerhalb des Europäischen Kartellverbandes (EKV).
An sich schaut die Homepage halbwegs vernünftig aus. Und im Grunde ist es ja ein Fortschritt, diese Mischung. Und trotzdem: wenn man die Mädchen mit Band und Deckel so dastehen sieht … es sieht fremd und traurig aus. So stramme Männlein die keine sind. Warum nur, WARUM? Warum kommen wir nicht weiter, können wir keine neuen Uniformen kreieren? Hat denn keiner von denen die Beauxbatons in Harry Potter gesehen?
Dass es geht zeigte mir der Bursche mit seiner Kofia am Kopf. Das ist dieser schlichte niedrige Hut ohne Krempe oder Schild den man oft bei afrikanischen Trachten sieht (ich meine das zylindrische Ding, oben deckelflach, nicht so eine Kuppelhaube wie Joe Zawinul immer hatte). Und tatsächlich, dieser Bursche trug die selbe Couleur wie seine Kommilitonen (alle männlich, denn es waren natürlich nicht nur die von besagter gemischter Verbindung da).
In Richtung Hutvarianten ist man beim ÖCV also dann doch flexibel. Dass manche Männlein dadurch besonders doof ausschauten muss ich unbedingt hinzufügen, besonders der mit den extra Fellquasten am Hut war unpackbar, auch die beiden mit so Heroldperücken waren so unsägliche Erscheinungen dass mein bildliches Erinnerungsvermögen sich weigert das Aussehen dieser zwei Standartenträger nochmal rauszurücken.
Die zweite Veranstaltung war - es ist ja Pridewoche - der Drag Beach in der Hermannbar am Donaukanal. Ich hab oben gelogen. Es gab dort, es war noch am Nachmittag, gar keine Männer in Frauenkleidern. Familien, Kinder die im Sand spielen, die Regenbogenfahne war aber schon überall.
Ich hab tatsächlich angefangen zu überlegen ob ich mich schnell in den Druidenlook der Conchita werfen könnt. Die Perücken vom Karglmayer gleich beim Schwedenplatz waren aber verschlossen - Frohnleichnam eben.
In der Nacht sind sicher welche am Beach, aber für mich gab’s weit und breit keine Drag Queen. Und so war der Kardinal in seiner Glitzermontur am Michaelerplatz dann doch wieder das was am Nächsten kam.
Wobei der Kardinal, stehend vor der goldenen Monstranz, klar angesprochen hat, dass trotz sichtbarer Kostüme bei Frohnleichnam eins und nur eins, nämlich die Gegenwart Jesu Christi gefeiert wird. Mit dem Kommentar “Karneval ist vorbei” hatte sein weiland Chef Bergoglio zur Antrittsrede als Papst das bunte Gewand konsequenterweise ganz verweigert.
Anscheinend wären also die Kirchenmänner progressiver als ihren Verbänden lieb ist. So nach dem Motto: wir vom Kartell stellen uns auch stur in den alten Kostümen vor die Leut, also bleibt euer Gewand gefälligst auch das alte. Christus hin oder her.
Der Mann, der manchmal als Josuadruidin Conchita und manchmal mit tollen Quasten am Hut und elegantem Hirschknopfloden auftritt, sagt zum Thema Facelifting: “Wonns amoi soweit is, loss i mi zrucksponna”.