Die Feijoada ist tot, es lebe die Feijoada
Adelphoi, ich sehe Eurem Besuch im Mai mit Freude entgegen. Mit Betrübnis teile ich mit, dass es dann weder Eclair noch Feijoada geben wird.
Der Reihe nach.
Bei Tomàs Kiss “the Cook” gab’s die in Wien einzige und beste Feijoada (“Feschoada”). Serviert im typisch rostbraunen Tontopf, rauchte einem aus dem Inneren der schwarzen Bohnen die Selchwurst entgegen.
Nun, ich gehe heute zu Mittag hin, der Laden voller denn je, keine Feijoada mehr. Der übliche Mittagstisch, Zander oder Corden-Bleu, schon. Feijoada nie mehr. Aus. Ich klopfe mit den Knöcheln auf den Tresen, hilft nix, “sorry”.
In der Frittatensuppe feierte euer Croniquero sein Debakel. Beim dahinbrodeln kam mir der Gedanke, dass ich ja sicherstellen muss, dass wenigstens das Eclair beim Heiner noch da ist.
Dort zum Glück alles pipifein, nur auf die Frage “gibt’s das Eclair ganzjährig”, kam die Antwort “nur seisonal, vielleicht noch ein paar Wochen, dann erst im Herbst wieder, wir haben aber was mit Erdbeerfüllung im Sommer”. Bummer.
Dass ich noch zuversichtlich bin, dass es im Sommer den Schmarrn beim Demel und beim Zanoni die heisse Scholade (nennt sie “Ejolade”) geben wird, schreibe ich nur noch meinem Antiinduktionismus Popper’schen Zuschitts zu. Ansonsten wär’s zum verzweifeln.
Noch eins: der Grund warum ich grad heut zum Kiss the Cook bin ist, dass ich gestern beim neuen Brasilianer war. Spezialität und quasi einziges Gericht: Feijoada. Der hat eine riesenlange Bar mit Mengen Schnaps. Das macht mich schon skeptisch. Auch macht der erst um Sechs auf. Bis dahin bin ich verhungert. Und die Feijoada wird in einer nicht brauntönigen sondern weissen Schüssel aus Porzellan serviert. Was soll ich noch sagen? Die Feijoada beim neuen Brasilianer schmeckt auch gut.
Fazit: Im Feijoadaladen gibt’s keine Feijoada mehr, also im alten, dafür gibt’s einen neuen.
Ps: Adelphoi hatte Paulus in seine Briefen als Anrede verwendet, es heisst “Brüder”, aber auch “Geschwister” also “Brüdern und Schwestern”.
PPs. Auf dem Weg vom Kiss über den Schwedenplatz, es war ca. Eins, komm ich beim Blumengeschäft vorbei. Der Besitzer zur Pensionistenkundin: “Mogst a Cola-Rot?”. Die Welt ist noch nicht ganz aus den Fugen.